Nachdem wir einige erholsame Tage bei meiner Tante in Valvasone verbracht haben, fahren wir von der italienischen Grenzstadt Gorizia aus über Ljubljana nach Zagreb – per Anhalter. Der erste Automobilist, der uns mitnimmt, ist Dennis. Er kommt uns zwar von der anderen Strassenseite her entgegen, aber wohl aus Mitleid bietet er uns an, uns bis über die Grenze nach Slowenien mitzunehmen.

Drei Jahre im Wald

Während der nur knapp zehnminütigen Strecke erzählt er seine eindrückliche Geschichte. Aufgrund der tödlichen Erkrankung seiner Mutter wohnt er seit kurzem wieder im Dorf. Zuvor hatte er drei Jahre lang mit seiner Freundin und einigen Hunden im Wald oberhalb von Gorizia gelebt. Nachdem mehrere Freunde von Dennis bereits Suizid begangen hatten, da sie keinen Ausweg mehr aus der wirtschaftlichen Misere sahen, entschieden sie sich für eine radikale Änderung ihres bisherigen Lebensentwurfs und lebten selbstversorgend im Wald. Auf die Frage, wie es ihm in dieser Zeit ergangen sei, antwortet Dennis bestimmt:

“Es waren die glücklichsten Jahre meines Lebens.”

Das Pärchen wollte mit seinem Lebensstil ein Zeichen gegen die Krise setzen, die in Italien seit mehreren Jahren um sich greift.

Jäger und Sammler

Der 34-jährige Italiener jagte in der Wildnis mit Pfeil und Bogen nach kleineren Nagetieren, während seine Freundin Pflanzen, Beeren und heilsame Kräuter sammelte. Sie tauschten Pelze und Heilkräuter mit Bauern aus den Bergdörfern gegen Reis und Kartoffeln. Da es in der Region etliche zerfallene Hütten gibt, lebten sie ein nomadisches Dasein und zogen jeden Monat weiter.

Wäre die Mutter von Dennis nicht erkrankt, hätte er seinen selbstversorgenden Lebensstil auf keinen Fall aufgeben wollen, erklärt Dennis etwas wehmütig. Falls sie irgendeinmal sterben oder unerwartet genesen sollte, so würde er sofort wieder zurück in den Wald gehen wollen. Denn das Leben in einer kranken Gesellschaft würde ihn auf Dauer ebenfalls krank machen.