Nach einem ereignislosen Zwischenstopp in Zagreb fuhren wir weiter nach Split, dem ehemaligen Alterssitz des römischen Kaisers Diokletian, der neben einigen strukturellen Reformen vor allem für seine systematische Christenverfolgung bekannt wurde.

Leitete 303 n. Chr. die systematische Christenverfolgung ein: Diokletian. Bild: Veleius / Wikimedia Commons BY 2.0 (27. Februar 2015)
Leitete 303 n. Chr. die systematische Christenverfolgung ein: Diokletian. Bild: Veleius / Wikimedia Commons BY 2.0 (27. Februar 2015)

Als der freigelassene Sohn eines Schreibers, der sich bis zum Befehlshaber der kaiserlichen Leibgarde hochgedient hatte, im Jahre 284 zum Kaiser ausgerufen wurde, ging ein Gespenst um im Römischen Reich: Das Christentum breitete sich wie ein unaufhaltsames Buschfeuer aus, bedrohte mit seinem monotheistischen Anspruch den Kaiserkult und somit die Einheit des Reiches.

Lebensstil der Elite begünstigte Konvertierung

Vor dem Hintergrund einer korrumpierten Elite, die den alten römischen Tugenden offenbar abgeschworen hatte und zunehmend einen ausschweifenden Lebensstil zelebrierte, bot das damals noch aufrichtig auf Bescheidenheit und Nächstenliebe basierende Christentum eine attraktive Alternative für das gemeine römische Volk, das sich von seinen Herrschern und deren Göttern immer öfters im Stich gelassen fühlte.

Weltmacht Rom: Von der Ordnung zum Chaos. Video: YouTube / Hans Vader (30. Januar 2013)

Zu den internen Problemen kamen aussenpolitische Herausforderungen hinzu. Das Reich war zu einer unüberschaubaren Grösse angewachsen. Es erstreckte sich von Britannien bis nach Ägypten und von Spanien bis zum Euphrat. Für Diokletian war es unmöglich geworden, gleichzeitig an allen militärischen Brennpunkten präsent zu sein. Er sah sich in der Folge gezwungen, das Herrschaftssystem der Tetrarchie einzuführen, wobei zwei Seniorkaiser und zwei Unterkaiser über einen jeweils eigenen Reichsteil verfügten. Diese Aufteilung der Macht stellte die Grundlage für die spätere Teilung des Römischen Reiches dar.

Mitte des Imperiums

Die geographische Mitte des Diokletianischen Imperiums bildete das heutige Split, damaliger Handelsknotenpunkt der Adria. Aufgrund seiner zentralen Lage liess Diokletian zwischen 295 und 305 n. Chr. in Rekordzeit einen pompösen Palast errichten, dessen gut erhaltene Überreste ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurden und heute zahlreiche Touristen in die adriatische Metropole locken.

Split (August 2015)
UNESCO-Weltkulturerbe: Die Überreste des Diokletianpalasts. (August 2015)

303 n. Chr. erliess Diokletian ein Verfolgungsedikt, welches die christliche Organisation im Kaiserreich zerschlagen sollte. Es verbot die Gottesdienste, ordnete die Zerstörung von Kirchen, die Verbrennung christlicher Schriften und die Inhaftierung von christlichen Staatsbeamten an. Zudem verloren Christen wichtige Bürgerrechte und waren somit leichter zu belangen. Das Edikt verfügte die Einkerkerung und Folterung aller Gemeindevorsteher und Bischöfe, um sie auf jede Weise von ihrem Glauben abzubringen. Vor allem aber ordnete Diokletian die Todesstrafe für Christen an, die das Kaiseropfer weiterhin verweigerten.

Unbändigende Glaubensstärke

Während ich durch die verwinkelten Gässchen zwischen den geschichtsträchtigen Mauern des Palasts laufe, fasziniert mich die unbändige Glaubensstärke dieser frühen Christen, die allen Widerständen zum Trotz an ihrer Religion festgehalten haben. In dem Moment erblicke ich die Campanile des St. Domnius Doms. Eine stoische Ruhe ausstrahlend türmt sie sich erhaben vor mir auf.

Cathedrale of Saint Domnius: Split (August 2015)
Symbol des Widerstands: Die St. Domnius Kathedrale. (August 2015)

Normalerweise habe ich eigentlich keine Schwäche für katholische Bauwerke, aber der Umstand, dass diese Kathedrale inmitten des Palastes eines Kaisers, der systematisch Christen verfolgen liess, erbaut wurde, lässt mich für einen Moment schaudern. Ich frage mich, wieso wohl alle grossen Regime früher oder später korrumpiert werden müssen und was Diokletian wohl denken würde, wenn ich diesen Anblick mit ihm teilen könnte. Ich begebe mich etwas verblüfft ans Meer, wo ich mir ein kühles Pivo genehmige.